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Innovationsforum Digitalisierung in Holzminden
Auf Einladung der Wirtschaftsförderung des Landkreises Holzminden und des SüdniedersachsenInnovationsCampus (SNIC) fand am 7.2.2017 das Innovationsforum Digitalisierung in Holzminden statt. Mit rund 60 Teilnehmern war die Veranstaltung in der Volksbank Holzminden gut besucht.


Nach der Begrüßung durch die Landrätin Angela Schürzeberg und der Vorstellung des SNIC durch die Geschäftsstellenleiterin Mascha Albrecht standen zwei aktuelle Praxisbeispiele für Digitalisierung im betrieblichen Alltag sowie zwei Impulsvorträge aus der Wissenschaft auf dem Programm. Dr. Jutta Klüber-Süßle, Fachgruppenleiterin der Wirtschaftsförderung Holzminden, moderierte den Abend und die anschließende Diskussion.

Landrätin Angela Schürzeberg betonte, welche Aufgaben Wirtschaft, Wissenschaft und Politik im Rahmen der fortschreitenden Digitalisierung angehen müssen, und zwar am besten gemeinsam. Notwendig sei zum einen der flächendeckende Breitbandausbau, idealerweise mit Glasfaserleitungen. Zudem sei es Aufgabe der regionalen Wirtschaftsförderung und Technologieberatung, Unternehmen bei der Digitalisierung zu unterstützen – von der Beantragung von Fördermitteln bis zur Vermittlung geeigneter Projektpartner. Auf Seite der Unternehmen müsse der digitale Wandel bei betrieblichen Entscheidungen mitgedacht und entsprechende Prozesse und Produktionstechniken eingeführt werden. „Gleichzeitig müssen die Unternehmen ihre Beschäftigten mit den notwendigen Kompetenzen und Qualifikationen ausstatten,“ so die Landrätin, „denn ohne Mensch geht es glücklicherweise auch im digitalen Zeitalter nicht“.

Innovationsforum Digitalisierung am 07.02.2017 in Holzminden


Dass sich die Hochschulen als Speerspitze innovativer Bewegungen begreifen und sich gegenüber ihrem wirtschaftlichen Umfeld verstärkt öffnen, ist eine Herausforderung des SüdniedersachsenInnovationsCampus (SNIC). Als Großprojekt der regionalen Hochschulen sowie der zentralen Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung in Südniedersachsen bietet der SNIC eine sinnvolle und wichtige Ergänzung zum bestehenden Angebot der regionalen Wirtschaftsförderung und Technologieberatung: personelle Unterstützung sowie den direkten Zugang zu den Hochschulen und ihrer aktuellen Forschung. Geschäftsstellenleiterin Mascha Albrecht nutzte die Gelegenheit, um die Aktivitäten des SNIC vorzustellen. Weitere Informationen über die Partner und Angebote des SNIC finden Sie auf der Webseite www.snic.de.
Im Interview mit Stefan Tegeler (Innovationsgesellschaft für Hochschule und Wirtschaft mbH) erklärten Frank Elzener (WFT Werkzeug- und Frästechnik GmbH) und Prof. Dr. Reinking (Institut für wirtschaftliche und technologische Unternehmensführung der Hochschule Ostwestfalen-Lippe) wie Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft gelingen kann. Um das Wachstum des Unternehmens zu ermöglichen und die Produktion zukunftsfähig zu gestalten, baute Geschäftsführer Elzener auf die Expertise des Wissenschaftlers. Die Zusammenarbeit führte zu einem besseren Ergebnis, davon sind beide überzeugt. Im Rahmen der Kooperation prallten hin und wieder verschiedene „Kulturen“ aufeinander: „Da kommt jetzt so ein Kopfgesteuerter, was will der mir eigentlich erzählen“, fasst Herr Elzener die Einstellung mancher Mitglieder seines Teams zusammen. Wichtig sei es, auf die Eigenheiten der Branche Rücksicht zu nehmen und die Mitarbeiter beim Änderungsprozess einzubinden.

Digitalisierung schürt Ängste. Ist mein Arbeitsplatz sicher? Werden die Produkte oder Dienstleistungen meines Unternehmens in Zukunft noch nachgefragt? Carl-Otto Künnecke sieht Digitalisierung auch als Chance. Die Otto Künnecke GmbH ist weltweit führender Hersteller von intelligenten Maschinenlösungen für die Personalisierung, Sortierung und den Versand von Sicherheitsdokumenten wie Kreditkarten, Reisepässe und PIN-Briefen. Carl-Otto Künnecke räumte ein, dass Geldkarten in zehn Jahren Schnee von gestern sein könnten. Jedoch gäbe es einen allgemeinen Trend hin zur Individualisierung von Produkten, z.B. im Bereich personalisierter Versand von Medikamente. In derartigen Zukunftsbranchen ist die Expertise der Otto Künnecke GmbH im Fall der „Losgröße 1“ gefragt. Damit die Technologie des Unternehmens auf dem neusten Stand bleibt, wurde ein mobiles Picking-System entwickelt, das selbstfahrend aus einem Regalsystem heraus kommissionieren kann. Die Antragstellung und technische Umsetzung des Projekts „Kommissionierung 4.0“ erfolgt in Zusammenarbeit mit dem IMK – Ingenieurbüro für Mechatronik und Kybernetik.

In seinem Impulsvortrag öffnete Tristan Niewisch (pdf Software GmbH) den Blick für die vielfältigen Möglichkeiten der Digitalisierung. Wussten Sie, dass man sich in Zukunft unangenehme Darmspiegelungen ersparen kann, indem man eine kleine Kapsel schluckt, die im Magen-Darm-Trakt zehntausende Fotos schießt? Auch die Fotos müssen nicht vom behandelnden Arzt ausgewertet werden. Sie werden von der Kapsel in eine Cloud übermittelt und von einem Computer analysiert, der die Patientenbilder mit Aufnahmen von Krankheitssymptomen abgleicht. Die Kapsel wird einfach ausgeschieden. „Im Prinzip könnte man danach auch noch gucken, ob mit der Kanalisation alles in Ordnung ist“, scherzte Tristan Niewisch, der in Vertretung von Professor Rausch von der TU Clausthal angetreten war. Innovationen, so sein Fazit, fänden inzwischen fast ausschließlich an der Schnittstelle zwischen klassischen Anwendungsgebieten, wie z.B. der Medizin oder dem Maschinenbau, einerseits und der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) andererseits statt. Eines sei sicher: „Digitalisierung passiert. Widerstand ist zwecklos“.

Auf der Basis einer kürzlich durchgeführten Untersuchung stellte Dr. Petrik Runst vom Volkswirtschaftlichen Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen die Chancen und Risiken des Online-Handwerkerportals „MyHammer“ vor. Das Ergebnis: Besonders kleine Unternehmen, deren Geschäftsführer und Mitarbeiter keine Meisterprüfung abgelegt haben, nutzen die Möglichkeit, um sich über die Kundenbewertungen ihrer Leistungen auf dem Portal einen Namen zu machen. Jedoch setzt sich auch hier Qualität letztendlich durch. Wer gleich zu Beginn eine Reihe schlechter Kundenbewertungen erhält, ist schnell „weg vom Fenster“ – und zwar ohne zufriedene Neukunden. Vorteile von Online-Plattformen wie MyHammer sind laut Dr. Runst eine hohe Transparenz und ein erweiterter Marktzugang, wichtigster Nachteil ist die Tendenz des Preisverfalls, dem sich die Betriebe im Online-Wettbewerb verstärkt aussetzen.

Die anschließende Diskussion und ein Imbiss in geselliger Runde gab die Möglichkeit, sich vertieft auszutauschen. „Wissenschaft und Wirtschaft stärker zu vernetzen und interessante Gesprächspartner in Kontakt zu bringen, war das Ziel des Innovationsforums“, so Mascha Albrecht. „Das ist uns heute Abend gut gelungen, wir sind sehr zufrieden“. „Der Wirtschaftsförderung sei wichtig“, so Dr. Jutta Klüber-Süßle, „Transparenz in das vielfältige Unterstützungsangebot von Bund und Land zu bringen. Kein Unternehmen müsse den Weg in das digitale Zeitalter alleine gehen“. Geschäftsführer Carl-Otto Künnecke, Beiratsmitglied im Südniedersachsenprogramm, bekräftigte den Mehrwert von Kooperationen und ist überzeugt, dass der vom SüdniedersachsenInnovationsCampus eingeschlagene Weg der richtige sei.

 

Pressestelle
erstellt am 15.02.2017



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